FTG-News 2026-16 – Kraftstoffpreise in Deutschland und den Nachbarländern – Auswirkung der deutschen Energiesteuersenkung zum 1. Mai 2026
Die Europäische Kommission veröffentlicht wöchentlich das sogenannte Oil Bulletin, das die Kraftstoffverbraucherpreise in allen EU-Mitgliedstaaten ausweist – sowohl als Bruttoverbraucherpreis (inkl. aller Steuern und Abgaben) als auch als Nettopreis (ohne Mehrwertsteuer und Energiesteuer/Mineralölsteuer). Wir haben diese Daten für den 4. Mai 2026 ausgewertet und mit der Vorwoche (27. April 2026) verglichen.
Anlass ist die Senkung der deutschen Energiesteuer auf Benzin und Diesel zum 1. Mai 2026 um netto 14,2 Ct/l. Einschließlich der darauf anfallenden Mehrwertsteuer von 19 % entspricht das einer rechnerischen Verbraucherentlastung von 16,9 Ct/l. Von mehreren Politikern, Automobilverbänden und Verbraucherorganisationen wird behauptet, dieser „Tankrabatt“ sei nicht bei den Verbrauchern angekommen. Ein Vergleich zu den deutschen Nachbarländern zeigt, was von diesem Vorwurf zu halten ist.
- Was bedeutet „Nettopreis“ – und was nicht?
Im Oil Bulletin der EU-Kommission ist der „Nettopreis“ definiert als der Verbraucherpreis ohne Mehrwertsteuer und ohne Energiesteuer (Mineralölsteuer, Accijnzen, Accises usw.). Alle anderen staatlichen Belastungen sind dagegen bereits im Nettopreis enthalten, insbesondere:
CO₂-Preise: Deutschland erhebt einen nationalen CO₂-Preis (nEHS/BEHG). Im Jahr 2026 entspricht dieser rechnerisch bis zu ca. 17 Ct/l bei Diesel. Andere Länder haben vergleichbare Systeme in unterschiedlicher Höhe – oder gar keines (z. B. Belgien, Polen).
THG-Minderungsquote: In Deutschland sind Verkäufer von fossilen Kraftstoffen verpflichtet, einen steigenden Anteil erneuerbarer Kraftstoffe beizumischen und oder THG-Zertifikate zu erwerben. Die dabei entstehenden Kosten sind natürlich in den Preisen einkalkuliert. üblicherweise auf den Zapfsäulenpreis überwälzt und liegen 2026 im Bereich von ca. 7–12 Ct/l, unterschiedlich nach Benzin oder Diesel. Vergleichbare marktbasierte Quotensysteme fehlen in den meisten Nachbarländern.
Ein direkter Nettopreisvergleich zwischen verschiedenen Ländern spiegelt daher nicht den reinen Produktpreis wider, sondern einen Marktpreis nach Abzug von Mehrwertsteuer und Energiesteuer – der aber alle anderen staatlichen Kosten enthält. Dies ist bei der Interpretation der nachfolgenden Zahlen zu berücksichtigen. Ausführlich haben wir uns mit der Thematik der unterschiedlichen staatlichen Belastungen in unserem Rundschreiben 8/26 „Staatliche Abgaben auf Kraftstoffpreise in Deutschland: Bestandsaufnahme, Europäischer Vergleich und Ausblick auf die THG-Quotenentwicklung bis 2030“ beschäftigt.
- Die Ausgangslage: Internationaler Preisdruck seit Februar 2026
Seit dem Ausbruch des Krieges gegen den Iran und der Schließung der Straße von Hormus am 28. Februar 2026 befinden sich die internationalen Energiepreise auf einem historisch hohen Niveau – nach Einschätzung der EU-Kommission über dem Niveau der Energiekrise 2022/23. Produktpreise haben sich zeitweise komplett anders entwickelt als die Rohölpreise. Dies spiegelt sich in den Nettopreisen aller Länder wider: Zwischen dem 27. April und dem 4. Mai 2026 stiegen die Nettopreise in nahezu allen neun betrachteten Ländern deutlich an – im Durchschnitt der Nachbarländer um ca. 4 bis 9 Ct/l.
- Deutschland im Vergleich: Brutto- und Nettopreise
Euro-Super 95 (EUR/1.000 l)
| Land | Brutto 27.4. | Brutto 4.5. | Δ ( (EUR/1.000 l) | Δ (Ct/l) | Steueränderung 1.5. |
| Deutschland | 2.144 | 2.063 | –81 | –8,1 | −14,2 Ct netto (Senkung) |
| Österreich¹ | 1.712 | 1.793 | +81 | +8,1 | leichte Erhöhung |
| Belgien | 1.822 | 1.871 | +49 | +4,9 | keine Änderung |
| Tschechien¹ | 1.683 | 1.733 | +50 | +5,0 | keine Änderung |
| Dänemark | 2.272 | 2.366 | +94 | +9,4 | keine Änderung |
| Frankreich | 2.016 | 2.051 | +35 | +3,5 | keine Änderung |
| Luxemburg | 1.759 | 1.798 | +39 | +3,9 | keine Änderung |
| Niederlande | 2.324 | 2.389 | +65 | +6,5 | keine Änderung |
| Polen¹ | 1.443 | 1.506 | +63 | +6,3 | keine Änderung |
¹ EUR-umgerechnete Werte gemäß Oil Bulletin.
Diesel (EUR/1.000 l)
| Land | Brutto 27.4. | Brutto 4.5. | Δ (EUR/1.000 l) | Δ (Ct/l) | Steueränderung 1.5. |
| Deutschland | 2.181 | 2.088 | –93 | –9,3 | −14,2 Ct netto (Senkung) |
| Österreich¹ | 1.910 | 1.999 | +89 | +8,9 | leichte Erhöhung |
| Belgien | 2.094 | 2.111 | +17 | +1,7 | keine Änderung |
| Tschechien¹ | 1.708 | 1.764 | +56 | +5,6 | keine Änderung |
| Dänemark | 2.235 | 2.342 | +107 | +10,7 | keine Änderung |
| Frankreich | 2.164 | 2.161 | ±0 | ±0,0 | keine Änderung |
| Luxemburg | 1.871 | 1.912 | +41 | +4,1 | keine Änderung |
| Niederlande | 2.311 | 2.366 | +55 | +5,5 | keine Änderung |
| Polen¹ | 1.620 | 1.684 | +63 | +6,3 | keine Änderung |
¹ EUR-umgerechnete Werte gemäß Oil Bulletin.
- Nettopreise (ohne MwSt. und Energiesteuer)
Zur Erinnerung: Diese Werte enthalten keine MwSt. und keine Energiesteuer, wohl aber CO₂-Abgaben, THG-Quotenkosten und sonstige Abgaben, die je nach Land sehr verschieden sind bzw. in einigen Ländern gar nicht existieren. Ein direkter Ländervergleich der Nettopreise ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig.
Euro-Super 95 (EUR/1.000 l)
| Land | Netto 27.4. | Netto 4.5. | Δ (Ct/l) | Hinweis (im Nettopreis enthalten) |
| Deutschland | 999 | 1.071 | +7,2 | CO₂₂ (nEHS) + THG-Quote |
| Österreich¹ | 863 | 900 | +3,7 | CO₂ enthalten |
| Belgien | 906 | 946 | +4,1 | kein CO₂-System |
| Tschechien¹ | 864 | 906 | +4,2 | CO₂ enthalten |
| Dänemark | 1.107 | 1.182 | +7,5 | CO₂ enthalten |
| Frankreich | 990 | 1.019 | +2,9 | CO₂ enthalten |
| Luxemburg | 934 | 968 | +3,3 | keine Angabe |
| Niederlande | 1.072 | 1.126 | +5,4 | CO₂ enthalten |
| Polen¹ | 975 | 1.035 | +6,0 | kein CO₂ System |
¹ EUR-umgerechnete Werte gemäß Oil Bulletin.
Diesel (EUR/1.000 l)
| Land | Netto 27.4. | Netto 4.5. | Δ (Ct/l) | Hinweis (im Netto-preis enthalten) |
| Deutschland | 1.201 | 1.263 | +6,2 | CO₂₂ (nEHS) + THG-Quote |
| Österreich¹ | 1.099 | 1.143 | +4,4 | CO₂ enthalten |
| Belgien | 1.130 | 1.145 | +1,4 | kein CO₂-System |
| Tschechien¹ | 1.082 | 1.129 | +4,7 | CO₂ enthalten |
| Dänemark | 1.223 | 1.309 | +8,6 | CO₂ enthalten |
| Frankreich | 1.196 | 1.193 | –0,3 | CO₂ enthalten |
| Luxemburg | 1.135 | 1.170 | +3,5 | keine Angabe |
| Niederlande | 1.352 | 1.397 | +4,5 | CO₂ enthalten |
| Polen¹ | 1.167 | 1.227 | +6,0 | kein CO₂ System |
¹ EUR-umgerechnete Werte gemäß Oil Bulletin.
- Bewertung: Ist die Steuersenkung beim Verbraucher angekommen?
Eine ganz einfache Antwort lautet: Ja.
Alle acht Nachbarländer verzeichneten im Beobachtungszeitraum steigende Bruttopreise als unmittelbaren Ausdruck des internationalen Marktpreisanstiegs. In Deutschland dagegen sanken die Bruttopreise für Euro-Super 95 um 8,1 Ct/l und für Diesel um 9,3 Ct/l.
Rechnerisch ergibt sich folgendes Bild: Die Steuersenkung beträgt netto 14,2 Ct/l, brutto (inkl. 19 % MwSt.) 16,9 Ct/l. Der gleichzeitige internationale Produktpreisanstieg (Nettobasis, d. h. nach CO₂ und THG, aber ohne Energiesteuer und MwSt.) betrug für Deutschland ca. +7,2 Ct/l (Euro-95) bzw. +6,2 Ct/l (Diesel) – brutto entspricht das ca. +8,6 bzw. +7,4 Ct/l. Da beides zum selben Zeitpunkt wirkte, blieb per Saldo für den Verbraucher eine Nettoentlastung von ca. 8–9 Ct/l.
Österreich verdient einen gesonderten Hinweis: Das Land hat die Energiesteuer zum 1. Mai 2026 nach vorheriger Senkung wieder leicht erhöht, was den deutlicheren Bruttopreisanstieg dort trotz ähnlichem Nettopreisanstieg erklärt.
Frankreich zeigt beim Diesel nahezu keine Preisänderung (±0,0 Ct/l brutto). Mögliche Gründe sind verzögerte Marktdurchgabe oder staatliche Preismechanismen.
- Fazit
Die Senkung der deutschen Energiesteuer zum 1. Mai 2026 ist offenbar vollständig und sehr schnell in den Verbraucherpreisen angekommen. Die deutschen Bruttopreise entwickelten sich in der Beobachtungswoche als einzige in der Gruppe der Nachbarländer nach unten – trotz eines allgemein steigenden internationalen Produktpreisniveaus. In den Säulenpreisen finden sich die nominalen 16,9 Ct/l nur deswegen nicht komplett wieder, weil gleichzeitig die Einkaufspreise angestiegen sind. Eine solche Entwicklung liegt jedoch nicht in der Hand der Tankstellenbranche.