Das Tankstellennetz am 01.01.2019

Das Tankstellennetz am 01.01.2019

der Energie Informationsdienst hat die von ihm erhobenen aktuellen Tankstellenbestandszahlen zum Stichtag 1. Januar veröffentlicht. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Bei der Tankstellenzahl gibt es kaum noch Veränderungen. Mit 14.099 Straßentankstellen liegt sie nur um 18 niedriger als am 1.1. des Vorjahres.

Dabei war 2018 alles andere als ein normales Jahr. Zwar ging der OK- und DK-Absatz an Tankstellen um ca. 2,5 Prozent zurück, was nach dem Rekordabsatzjahr 2017 nicht weiter verwunderlich war und sicher auch mit den gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um ca. 12 Cent höheren Säulenpreisen zusammenhing. Doch unabhängig von dieser Absatzentwicklung äußern sich die vom EID befragten Vertreter der Tankstellengesellschaften geradezu jubilierend über das abgelaufene Jahr. Offensichtlich bei allen Gesellschaften gab es gute Kraftstoffmargen, die im Jahresdurchschnitt sowohl bei Benzin wie auch bei Diesel erheblich über dem Niveau in den Jahren zuvor lagen, erfreuliche Waschumsätze mit Rekordumsätzen vor allem aufgrund des Pollenflugs in den Monaten März bis Juni und eine positive Entwicklung des Shop-Geschäfts, hauptsächlich beflügelt durch die wegen der einmaligen Hitzewelle außerordentlich guten Getränkeumsätze. Gesellschaften, die zudem an Raffinerien beteiligt sind, hatten wegen der sehr guten Verarbeitungsmargen zusätzlichen Grund zur Freude. Nebenbei: Aufgrund des Niedrigwassers der Flüsse war der November 2018 mit einer durchschnittlichen Brutto-Marge von 107 Euro/Tonne der ertragreichste Raffineriemonat, den der der EID in seiner langjährigen Statistik aufführt, mit großen regionalen Unterschieden: Im Süden und Südwesten Deutschlands lagen die Brutto-Margen im November mit ca. 150 Euro/t fast drei Mal so hoch wie in Norddeutschland oder in Rotterdam, wo nicht einmal 60 Euro/t erreicht wurden.

Jan Toschka, Shell, äußert gegenüber demEID, das „Rekordjahr 2017“ habe mannochmals verbessern können, und das gelte für so ziemlich alle Segmente. Tamoil-Geschäftsführer Carsten Pohl berichtet, HEM habe 2018 das„Ergebnis fast verdreifacht“. Ähnliche Aussagen von großer Zufriedenheit bis zur Begeisterung hört man auch von den Vertretern der anderen Gesellschaften. Einen kleinen negativen Nebeneffekt kann man nur der Aussage von AVIA-Geschäftsführer Holger Mark entnehmen, der nicht zum ersten Mal auf die „spürbare Aggressivität im Kampf um jede einzelne Tankstelle“ hinweist, der AVIA „Seriosität und Verlässlichkeit“ entgegensetze. Im Klartext: In wirtschaftlich guten Zeiten will kein Marktteilnehmer mehr schrumpfen, sondern wachsen, und das ist derzeit sehr teuer. Eine gute Ausgangsposition für Stationseigentümer, die über einen Lieferantenwechsel nachdenken oder die verkaufen wollen.

Die Betreiber der Tankstellen oder ihre Verbände hat der EID erneut nicht befragt. Insbesondere bei den Pächtern bestimmter Marken wären die Antworten sicherlich von weniger Begeisterung getragen worden. Zu den Zahlen des EID:

  • Bei vom EID ermittelten Tankstellenbestand von in Deutschland zum 1.1.2019 mit noch 14.459 (14.099 Straßen- und 360 Autobahnstationen) Tankstellen muss man wie jedes Jahr berücksichtigen, dass der Stationsrückgang noch geringer ausgefallen wäre, wenn einige geplanten Neubauten bereits im letzten Jahr ans Netz gegangen wären. Diese Projekte werden in diesem Jahr fertiggestellt und stabilisieren den Bestand weiter.

Zu den einzelnen Netzen:

  • BP hat unter der Aral-Marke mit 2.294 Straßentankstellen weiterhin das größte Netz, netto 43 Stationen weniger als zu Jahresbeginn 2018. Im ersten Halbjahr 2018 war der frühere Markenpartner Pfennigs zu Shell gewechselt. 18 Abgaben oder Schließungen stehen 17 Neuzugänge gegenüber. Das REWE-To-Go-Konzept war zum Jahreswechsel bei 461 Stationen umgesetzt. Den Absatzmarktanteil schätzt der EID auf 21,0 %, einen halben Prozentpunkt geringer als vor Jahresfrist.
  • Mit 20 % Marktanteil hat die Shell ihren Marktanteil gehalten. Die Zahl der Tankstellen stieg (Grund auch hier: Pfennigs-Farbenwechsel gegenüber dem 1.1.2018 um netto 35 auf 1.959 (einschließlich der unter bft-Zeichen betriebenen Rheinland-Kraftstoff-Stationen).
  • Die Total hat ihre Tankstellenzahl gegenüber dem Vorjahr nochmals um netto 7 auf nun 1.149 erhöht. Der EID schätzt den Marktanteil von Total weiterhin auf 9,5 %.
  • Ebenfalls ihren Marktanteil gehalten hat die Esso. Er liegt nach EID-Schätzung weiterhin bei 7 %, und das inzwischen ohne eigene Tankstellen, denn diese gehören jetzt der EG-Group bzw. deren deutscher Tochter Echo Tankstellen GmbH. Noch, und bei den derzeitigen Verhältnissen liegt die Betonung auf noch, betrieb diese am 1.1.2019 961 Esso-Tankstellen.
  • JET betreibt 812 Tankstellen, netto 29 weniger als vor einem Jahr. Einziger Grund ist der Verlust mehrerer von Jet betriebener Supermarkttankstellen, deren Mietverträge nicht verlängert wurden. Nach EID-Schätzung soll der Marktanteil der JET dennoch unverändert bei 10,5 % liegen. In die Zahlen gehen wie in den Vorjahren auch die zur Firma gehörenden, aber nicht mit dem JET-Logo gekennzeichneten, weißen Stationen ein.
  • Zu einigen übrigen Marken: Die 30 Avia-Partner betreiben inzwischen 873 Straßentankstellen, 5 mehr als vor einem Jahr, die Orlen erhöhte ihre Stationszahl um netto eine auf 581. Die Westfalen betreibt mit 252 Tankstellen fünf mehr als vor einem Jahr, ENI/Agip mit 458 ebenfalls fünf mehr und HEM mit 406 Stationen eine mehr.
  • Mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor betrachten wir seit langem die Zahlen der „Sonstigen Supermarkt-Stationen“ und der „Sonstigen mittelständischen Eigenmarken“ belastet. Wir vermuten, dass sie der Hauptgrund für die Tatsache sind, dass bei der Markttransparenzstelle mehr Tankstellen Preise melden, als nach der EID-Statistik in Deutschland vorhanden wären.

Enorme Veränderungen vollzogen sich im Jahr 2018 an der Autobahn. Zwar blieb die Gesamtzahl der BATs mit 360 konstant, doch wechselte im letzten Jahr als Ergebnis der 2017er Einlieferungsrechteversteigerung manche Station ihre Farbe. In dieser Versteigerungsrunde hatte die Esso noch einmal richtig Geld ausgegeben, so dass sie für jetzt 60 BATs (zuvor 34) die Einlieferungsrechte bekam. Bezahlen muss die Zeche (sprich: die Einlieferungsgebühren) jetzt die Echo Tankstellen GmbH. Auch die Aral (plus 11 auf 46 BATs) und OMV (plus 8 auf 14) haben mit der letzten Versteigerung ihre Stationszahl erhöht. Mit 55 BATs ist die Zahl bei der Shell unverändert geblieben, während die Total nur noch bei 28 Stationen einliefert (17 weniger als ein Jahr zuvor). Die Verteilung der Einlieferungsrechte ist natürlich nicht deckungsgleich mit der Verteilung der Markenfarben an den Stationen. Die Unterschiede resultieren aus Weiterverpachtungen und Plakettenverträgen.

Zu den Bestandszahlen im Netz der Autogasstationen am 1.1.2019: Nach der aktuellen Statistik wäre die Zahl der LPG-Säulen nochmals leicht auf 7.128 gestiegen. Dies liegt sicherlich nicht an einem steigenden Gesamtabsatz dieses Kraftstoffs, sondern ist wahrscheinlich eher der Tatsache geschuldet, dass der Trend bei Neu- oder Umbau von Tankstellen dahin geht, möglichst viele Kraftstoffarten unter einem Dach anzubieten.

Weiterhin rückläufig ist die Zahl der Erdgastankstellen, trotz der seit einiger Zeit wieder wachsenden Neuzulassungen von CNG-Fahrzeugen. 857 Erdgastankstellen bedeuten die niedrigste Zahl seit zehnJahren, und das Ziel der Brancheninitiative „Zukunft Erdgas“, das Netz bis zum Jahr 2025 auf rund2.000 Standorte auszubauen, ist damit nicht realistischer geworden.

Für weitere Details beachten Sie bitte die beiliegenden Tabellen.

FTG e.V.